Tora-reading.png

Der Wochenabschnitt
אַחֲרֵי מוֹת - קְדֹשִׁים
Acharej Mot - K’doschim

Aktuelle Themen zur Wöchentlichen Parascha, aus Jerusalem der Heiligen Stadt, ת"ו


Acharej Mot - K’doschim -  Pessach, Jom Kippur und Kleidung

Unsere Doppel-Paraschah פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt
heißt Acharej Mot - K’doschim [אַחֲרֵי מוֹת - קְדֹשִׁים], also „Nach dem Tod“ und „Heiligkeit“ . (Nachdem die Paraschah danach „Emor“ [אֱמֹר], also „sprich“ heißt, wurde daraus ein Sprichwort - אחרי מות קדושים אמור „nach dem Tod (sollst du nur) Heiliges (über den Verstorbenen) sprechen”).

Thematisch geht es u.a. um Jom Kippur [יוֹם כִּפּוּר] und Nächstenliebe.

 
 

 

Zwischen Pessach und Jom Kippur

”וְהָיְתָ֥ה לָכֶ֖ם לְחֻקַּ֣ת עוֹלָ֑ם בַּחֹ֣דֶשׁ הַ֠שְּׁבִיעִ֠י בֶּֽעָשׂ֨וֹר לַחֹ֜דֶשׁ תְּעַנּ֣וּ אֶת־נַפְשֹֽׁתֵיכֶ֗ם וְכׇל־מְלָאכָה֙ לֹ֣א תַעֲשׂ֔וּ הָֽאֶזְרָ֔ח וְהַגֵּ֖ר הַגָּ֥ר בְּתוֹכְכֶֽם׃ כִּֽי־בַיּ֥וֹם הַזֶּ֛ה יְכַפֵּ֥ר עֲלֵיכֶ֖ם לְטַהֵ֣ר אֶתְכֶ֑ם מִכֹּל֙ חַטֹּ֣אתֵיכֶ֔ם לִפְנֵ֥י יְהֹוָ֖ה תִּטְהָֽרוּ׃“

(ויקרא ט"ז כ"ט – ל')

„Und es sei euch zur ewigen Satzung: im siebenten Monat, am zehnten des Monats sollt ihr euch kasteien und keinerlei Werk verrichten, der Eingeborene und der Fremde, der unter euch weilet. Denn an diesem Tag wird er euch sühnen, dass ihr rein werdet; von all euren Sünden sollt ihr rein werden für HaSchem.“

(WaJikra, Leviticus, 3. Buch Moses, 16 : 29-30)

Gemeint ist Jom Kippur (und der Satz ist Teil der Liturgie von Jom Kippur), wird aber auch an Pessach (das vor ein paar Wochen war) gelesen. Da stellt sich die Frage: Was ist die Verbindung?

Die erste Verbindung ist der Seder [סֵדֶר]: Seder heißt „Ordnung“ und es gibt eine klare Ordnung von Ritualen und Texten, die beim Seder gelesen werden, ähnlich den Regeln und Geboten der Kohanim [כֹּהֵן - Kohen – Priester, Plural: כֹּהֲנִים - Kohanim], am Bejt HaMikdasch [בֵּית־הַמִּקְדָּשׁ - Jerusalemer Tempel] an Jom Kippur.

Es fängt aber bereits vorher, bei der Vorbereitung auf Pessach an: Wir sollen unsere Häuser und Herzen reinigen, um einen heiligen Ort und eine heilige Zeit zu schaffen. Das Jom-Kippur-Ritual der Heiligung durch den Kohen HaGadol (Hohepriester) spiegelt diese Vorbereitung wider und sichert die Heiligkeit der heiligen Stätten.

Beim Seder selbst sollen wir uns so sehen, „als wären wir selbst aus Ägypten gezogen“. Auch der Hohepriester wird Teil der heiligen Geschichte, indem er sein eigenes Opfer darbringt.

Das durch den S‘roa‘ [זְרוֹעַ] repräsentierte Pessachopfer lädt uns ein, sowohl das Jom-Kippur-Opfer (einen Stier und einen Ziegenbock) als auch den A‘sasel [עֲזָאזֵל] in neuen Licht zu betrachten. Der in die Wüste geschickte A‘zazel-Bock kehrt nie zurück.

Der Seder endet mit dem Lied Chad Gadja [חַד גַדְיָא], „Ein einzelnes Zicklein“, (hier eine moderne Version auf Englisch). Dieses Zähllied erzählt eine phantasievolle Version einer Kette von Unglücksfällen, die damit beginnt, dass eine Katze ein junges Zicklein verschluckt, und damit endet, dass der Heilige den Todesengel besiegt. Das einzelne Zicklein, das mit seiner unsichtbaren Last in die Dünen wandert, wird zum Geschenk eines Vaters an sein Kind – ein Geschenk, das uns an G-ttes erlösende Macht als Erhalter des Lebens erinnert.

Eine Botschaft von Pessach ist, dass „Seder“, Ordnung, ein Weg zum Leben ist. Die bewussten Vorbereitungen für den Seder spiegeln den Prozess der Vorbereitung auf die Heiligkeit von Jom Kippur wider. So wie jeder von uns herausgefordert ist, in die Geschichte des Seders einzutauchen, so muss auch der Hohepriester seine eigene innere Suche durchlaufen, um sich auf Jom Kippur vorzubereiten. Der geheimnisvolle Ziegenbock A‘sasel erscheint im Lichte des Zickleins, dessen Verschwinden im Maul einer Katze den Allmächtigen hervorbringt.

 

 

Nacktheit und Kleidung als Symbole

”אִ֥ישׁ אִישׁ֙ אֶל־כׇּל־שְׁאֵ֣ר בְּשָׂר֔וֹ לֹ֥א תִקְרְב֖וּ לְגַלּ֣וֹת עֶרְוָ֑ה אֲנִ֖י יְהֹוָֽה׃“

(ויקרא י"ח ו')

„Niemand soll seiner Blutsverwandten sich nahen, ihre Scham aufzudecken. Ich bin HaSchem..“

(WaJikra, Leviticus, 3. Buch Moses, 18 : 6)

Geht es hier wirklich nur um körperliche Nacktheit?

Vielleicht ist Nacktheit eine Metapher für etwas anderes. Bereits Adam und Eva [אָדָם חַוָּה] bemerken nach dem Essen vom Baum der Erkenntnis als Erstes ihre Nacktheit. Sie nähen sich Feigenblätter zu Lendenschurzen zusammen, um sich zu bedecken.

Wenn wir „Nacktheit“ als Verletzlichkeit sehen, entdecken wir ein tieferes Gebot, das in diesem Kapitel verborgen liegt. Wenn wir wütend aufeinander sind, decken wir die Scham der Menschen, die uns am nächsten stehen, auf und legen ihre Schwächen offen.

Genau das Umgekehrte ist eine Mizwahמִצְוָוה
Gebot
: Lass uns unsere Lieben mit Güte umhüllen. Lass uns sie mit einer Brachahבְּרָכָה
Segensspruch, Segensformel, Benediktion
Plural: בְּרָכוֹת
Brachot
wie mit einem Gewand umhüllen.

 
 

 

שַׁבַּת שָׁלוֹם וּמְבֹרָךְ
Schabbat Schalom uM’worach
Ein friedlicher und gesegneter Schabbat

Benjamin Rosendahl

Um den Wochenabschnitt als PDF herunterzuladen, klicken Sie bitte auf das PDF-Symbol.

07. Ijar 5786,   24. April 2026

 

transparent to purple gradient